Zwei Jahre als Köchin im Paulinerkloster Mariahilf

Ich hatte mir alles ganz anders vorgestellt!

Eigentlich wusste ich nicht viel vom Leben im Kloster. Ich sah betende Mönche in einsamen Zellen vor mir, abgeschieden von der Welt und fern von allem Weltlichen, ernst, unzugänglich und Angst einflößend.

Ich komme aus einem Ort in Oberösterreich. in der Nähe von Passau. Da suchte das Paulinerkloster eine Köchin für drei Tage pro Woche. Warum sollte ich meinen Beruf nicht in Passau ausüben? Mit dem Gedanken freundete ich mich an und wurde zu einem Vorstellungsgespräch nach Passau-Mariahilf eingeladen. Vorsichtig läutete ich an der Pforte, gespannt, auf was ich mich eingelassen hatte. Ein Geräusch…, ein Pfortenfenster öffnete sich und ein riesiger Mönch in weißer Kutte schaute mich fragend an. Auf meine Antwort ging die Pfortentür auf. Zaghaft und mit klopfendem Herzen schlich ich dem großen Mann hinterher. Die Überraschung war perfekt: Ich landete in einer hellen, blitzblanken Küche. Das sollte nicht die letzte Überraschung sein! In den nächsten Tagen konnte ich mich von meinen wenigen Vorstellungen vom Mönchtum verabschieden. Jetzt bin ich ein Anhänger der Pauliner geworden. Sie haben mich durch ihre Art und durch ihre Arbeit überzeugt.

Ich hatte zuvor keine Vorstellung, was in Mariahilf alles los ist.

Sogar in meinem Heimatort Schardenberg gilt Mariahilf als die Anlaufstelle zum Beichten. Mariahilf war immer schon eine beliebte Kirche für Hochzeiten und Taufen. Die Feiertage werden besonders festlich begangen, alle Marienfeiertage sowieso. Und dann die unzähligen Pilgergruppen aus aller Welt. Aber während des Jahres wird zusätzlich oft täglich an der Pforte geläutet und um Betreuung gebeten. Auch für die Geistlichkeit, die sich im nahe gelegenen, stark frequentierten Exerzitien-und Tagungshaus aufhält, gehört ein Gottesdienst in der Wallfahrtskirche zum Programm. Für die Pauliner-Hausherren ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sie gastfreundlich sind und sich sehen lassen. Ich erlebe manchmal, dass das Telefon, die Pfortenglocke und die Beichtglocke um die Wette läuten. Die Pauliner sind auch fleißige Aushilfen in anderen Pfarreien und als Festprediger begehrt, und nicht zuletzt erwarten viele Gruppen in Mariahilf und in der Pfarrei (Ministranten, Sänger, Vereine, …), dass sich die Pauliner um sie kümmern.

Für die Wallfahrt sind nur drei Paulinerbrüder, Pater Beniamin, Pater Eusebiusz und Bruder Christoph, vorgesehen. Ich finde es sehr gut, dass die beiden Seelsorger der Pfarrei auch vom Orden gestellt werden, deshalb im Kloster leben und fest mithelfen. Pater Jakob und sein Kaplan sind trotz ihrer vielen Pfarrei-Arbeit immer wieder bereit auszuhelfen. Das beruht dann auf Gegenseitigkeit: Auch die Wallfahrtsseelsorger springen regelmäßig in der Pfarrei ein: Krankenkommunion, Beerdigungen und vieles mehr. Auch Provinzial Pater Mirko hilft mit, wann immer es ihm möglich ist. Mich wundert, dass sie bei der vielen Arbeit noch regelmäßig Zeit finden, auch bei mir in der Küche auf ein paar freundliche Worte vorbeizuschauen.

Pater Beniamin als Torte. Geschenk von Margit Goldberger

Pater Beniamin als Torte. Geschenk von Margit Goldberger

Natürlich ziehen sie sich auf ihre Zimmer zurück, natürlich beten sie, aber sie sind auch weltoffen, aufgeschlossen gegenüber allen und allem, sehr verständnisvoll allen Anliegen gegenüber. Ich arbeite gerne bei den Paulinern und möchte meinen Teil dazu beitragen, dass sie sich fern ihrer Heimat wohl fühlen. Wenn ich Urlaub habe, dann fehlen sie mir, denn sie sind eine große Familie und auch ich darf dazugehören.

Da wir inzwischen in Mariahilf drei Angestellte aus Österreich sind, sprechen und verstehen die Passauer Pauliner nicht nur die deutsche, sondern auch noch die österreichische Sprache.

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